Teambuilding-Methoden:
was wurde aus den Seminar-Pferden?

hrweb.at am 13. April 2015
Ein Interview mit Klemens Gansinger.

Wohin verschwanden die ich-koche-gemeinsam-mit-meinem-Team-und-arbeite-danach-viel-besser-mit-meinen-Kollegen-zusammen-Seminare? Oder die Feuerlauf-, Floßbau-, Pferde-, Brückenbau-Seminare? Hochseilgarten nicht vergessen. Weshalb segneten sie das Zeitliche und was trat an ihre Stelle?


Weshalb segneten diese Seminare Großteils das Zeitliche und was trat an ihre Stelle?

Hoffentlich traten Seminare und Trainingsangebote an ihre Stelle bei denen klare Ziele und die beteiligten Personen und nicht Methoden im Mittelpunkt stehen. Wer glaubt, eine aufwändige, actionreiche, außergewöhnliche Methode sei ein Allheilmittel, ist auf dem Holzweg. Damit werden nur Incentive-Bedürfnisse und der Reiz nach Neuem befriedigt. Eine Methode ist und bleibt eine Methode – durch ihren Einsatz alleine wird noch nichts anders oder besser. Es braucht in der Teamentwicklung Trainer die aufgrund der Zielsetzungen, der Entwicklung in der Gruppe und des Prozessverlaufs entscheiden, welche Intervention sie setzen und mit welcher Methode ein Lernimpuls gesetzt werden soll. Dazu braucht es mehr als eine Methode.


Welche dieser Seminare sind heute doch noch relevant und im Einsatz?

Alle diese Methoden können immer noch relevant sein. Voraussetzung für ihren Einsatz ist aber eine theoriegestützte Erklärung dafür zu haben, eine Hypothese die überprüft oder ein Ziel, das verfolgt werden soll. Die Methode kann dann aufwändig oder einfach, drinnen oder draußen, lang oder kurz sein. Wichtig ist ihre “Passung“.


Welche Seminare stehen heute hoch im Kurs?

Seminare mit zählbarem Output und einer erwachsenengerechten sowie wertschätzenden Lernatmosphäre.


Wie sieht es im actiongeladenen Seminaren aus – in wie fern eigenen sie sich für Teambuilding-Maßnahmen? Ich denke an Paintball und dergleichen.

Wenn nur die Methode im Vordergrund steht, gibt es dafür einen Namen: Betriebsausflug. Ein fundierte Teambuilding-Maßnahme bzw. ein Teamentwicklungsprozess sind etwas anderes. Dazu braucht es ein klares Briefing, ev. Vorgespräche mit den Beteiligten, eine zielorientierte Planung und Prozessbegleitung, passende Interventionen, die Dokumentation von Ergebnissen, transferunterstützende Methoden und sinnvollerweise Follow up-Maßnahmen.

Und manchmal ist eben eine actiongeladene Aktivität eine passende Intervention. Ob aber das Nachspielen bewaffneter Konflikte und das Abschießen von Kollegen eine passende Intervention zur Förderung von Teamarbeit, Vertrauen und Kooperationsfähigkeit darstellt, bezweifeln wir.


Wäre zB ein gemeinsamer Grill-Nachmittag auf der Donauinsel oder an einem See im Rahmen des Teams nicht ebenso zielführend wie ein Teambuilding-Seminar? Zudem wäre es kostengünstiger und wäre weniger „aufgesetzt“?!

Das entscheidende Stichwort ist „zielführend“! Zu welchem Ziel soll der Grillnachmittag führen? Zu vollen Bäuchen, Plaudereien mit den Kollegen oder zu einem Sonnenbrand??? Und können wir den vollen Bauch nicht günstiger in der hauseigenen Kantine erreichen?

Ohne das oben beschriebene Design zur Vorbereitung und Durchführung einer Teamentwicklungsmaßnahme ist jegliches Ergebnis purer Zufall. Wenn das Ziel aber beispielsweise lautet „Entwicklung von Teamzielen für das kommende Arbeitsjahr und Vereinbarung von Regeln zur Zusammenarbeit im Team“ wird der Grill-Abend vielleicht keine passende Methode darstellen.


Warum arbeiten Sie dann doch auch im Hochseilgarten?

Weil es mitunter eine passende Intervention darstellt, sich z.B. auf die Kollegen verlassen zu müssen, Aufgaben nur mit Hilfe der Kollegen zu schaffen oder an dem sehr schnell ausgesprochenen „Das schaffe ich/das schaffen wir nie“ zu arbeiten. Der Hochseilgarten wirkt unmittelbar, holt die Teilnehmer aus der Komfortzone ohne (bei richtiger Anleitung) in die Panikzone zu geraten und eröffnet dadurch einen Lernraum. Die Vorbereitung auf die bevorstehende Übung im Hochseilgarten und die anschließende Reflexion sind von entscheidender Bedeutung für eine Wirksamkeit.